Geboren am 7. August 1931 in Alt Gennin, Landkreis Landsberg (Warthe), gelangte er nach dem Krieg zunächst nach Osterburg (Altmark) und verließ 1950 die DDR. Das Abitur legte er in Westberlin ab und begann sein Studium in Göttingen. Er war vielseitig interessiert und studierte Kunstgeschichte, Archäologie, Theaterwissenschaft und Geschichte und wurde 1957 zum Dr. phil. promoviert. Nach Stationen als Denkmalpfleger in Hannover und Braunschweig wirkte er von 1966 bis zu seiner Pensionierung 1996 als Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Hessen.
Ihm ist im Besonderen die Gründung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu verdanken, mit der eine Institution geschaffen wurde, durch die privates Engagement und privates Geld besonders effektiv in die Erhaltung der Kulturdenkmale eingebracht wird. Bisher wurden durch die Stiftung mehr als 4.000 Objekte mit etwa 470 Millionen € gefördert. Ein wesentlicher Gesichtspunkt war und ist dabei auch die Förderung von Denkmalen, die oft abseits der großen Touristenströme stehen und bisher weitgehend unbeachtet dringend einer Sanierung oder zumindest einer Sicherung bedürfen.
Durch die Stiftung wird bundesweit jeweils am zweiten Sonntag im September der ‚Tag des offenen Denkmals’ organisiert, durch den der Gedanke des Denkmalschutzes in weite Kreise der Bürgerschaft getragen worden ist und der sich inzwischen zu einem alljährlichen Volksfest in dessen wahrer Bedeutung entwickelt hat. Bis zuletzt war dieser Tag Prof. Kiesow ein ganz besonderes Anliegen. 2011 gab es 4,5 Millionen interessierte und begeisterte Besucher in mehr als 7.500 geöffneten Denkmalen in der gesamten Bundesrepublik.
Seit der Wiedervereinigung Deutschlands hat sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz verstärkt dem kulturellen Erbe in Ostdeutschland gewidmet, das in Vielfalt und Reichtum noch vorhanden war, das allerdings zu jener Zeit in seinem Bestand als erheblich gefährdet angesehen werden musste.
Mit den gleichen Zielen ist sein Wirken als langjähriger Vorsitzender der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz im Auftrag des Bundes zu sehen. Auch hier ist es seinem Engagement zu verdanken, dass mit praktikablen und einfachen Verwaltungsvorschriften kurzfristig dringende Maßnahmen verwirklicht werden konnten. Gleichermaßen hat er sich dafür eingesetzt, dass eine Finanzierung des speziell für Ostdeutschland aufgelegten, inzwischen sehr erfolgreichen Förderprogramms über viele Jahre auf hohem Niveau gesichert und dieses Programm schließlich auf alle Bundesländer ausgedehnt werden konnte.
Gleichzeitig war es in vielen Fällen seine Autorität und seine argumentative Kraft, die kommunale Entscheidungsträger und private Bauherren überzeugen konnte. Da machte es wenig Unterschied, ob er sich für Fachwerkstädte wie Quedlinburg einsetzte oder für die norddeutsche Backsteingotik in Wismar und Stralsund oder für Görlitz und Zittau im äußersten Südosten der Bundesrepublik. In Görlitz entstand nach seiner Idee das ‚Kompetenzzentrum für die Revitalisierung historischer Städte’.
Teilnehmer der Tagungen von Forum Stadt e.V. – damals noch unter dem Namen Arbeitsgemeinschaft Die alte Stadt – werden sich an den Vortrag Prof. Kiesows anlässlich der Internationalen Städtetagung in Freyburg an der Unstrut im Mai 1998 erinnern. Er sprach ein Grußwort und machte in seinem Vortrag „Aktuelle Probleme und Lösungsvorschläge bei der städtebaulichen Denkmalpflege in den neuen Bundesländern“ nachdrücklich auf die Notwendigkeit der Fortführung der erhaltenden Erneuerung aufmerksam.
Neben einer Reihe von Auszeichnungen wurde Prof. Kiesow in vielen Städten mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde geehrt, in diesem Jahr erfolgte die Auszeichnung mit dem Deutschen Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung.
Er sagte einmal: Denkmalschutz ist der Dank der Gegenwart an die Vergangenheit und ihr Geschenk an die Zukunft. Insofern besteht völlige Übereinstimmung mit dem Anliegen von Forum Stadt. Wir werden ein dankbares Gedenken an Prof. Kiesow bewahren in dem Bestreben, dass sein Engagement Vorbild für unsere eigene Arbeit bleibt.
Esslingen, am 01.12.2011
Dr. Jürgen Zieger
Erster Vorsitzender
Rainer Bruha
Zweiter Vorsitzender